Törnimpressionen

 

Alle packen mit an

Alle packen mit an

Kombüse

Segelschiff

Mannschaft

An Deck

Crewmitglied

Dieter Röhrbein

Wolke

Sonnenuntergang

Segelschiff

An Deck

doggy

Knoten

Segelschiff

Ausruhen

Segeln mit krebsbetroffenen Frauen und Männern...


Das Projekt Meerwind eV

Meerwind ist zu einem festen Bestandteil der psychosozialen Betreuung Krebsbetroffener geworden. Auch in diesem Jahr werden wieder die Segel gesetzt. Seit dem Start im Jahr 2000 besteht jedes Jahr für 12 Frauen und Männer die Möglichkeit, eine außergewöhnliche Selbst- und Gruppenerfahrung zu machen. Unabhängig von Alter, Geschlecht und Art der Krebserkrankung wird die Crew zusammengestellt. Was alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer einzig zu Beginn verbindet, ist allein die persönliche Krebsbetroffenheit. Die gemeinsame Ausgangssituation besteht in dem "Umgehen-Müssen" mit dem Krankheitserleben bei malignen Tumoren bzw. einer systemischen Krebserkrankung. Dabei spielen das gemeinsame Tun auf dem Schiff und die Naturerlebnisse auf dem Meer eine wichtige Rolle zur Verarbeitung der Krebserkrankung.


Schon vor dem Törn - eine lebhafte Gruppe

Drei mal treffen sich die künftigen Crewmitglieder vorab, um sich miteinander bekannt zu machen und um sich auf den gemeinsamen Törn vorzubereiten. Dazu gehören auch Entspannungsübungen und eine kleine Ernährungsberatung für die Selbstversorgung an Bord, denn Meerwind und körperliche Arbeit auf dem Schiff machen Appetit. Aber auch auf andere Weise werden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der Vorbereitung miteinander vertraut. "Wie schaffst Du Deinen Alltag mit der Erkrankung?", "Wie kommst Du mit den Belastungen der Therapie zurecht?". Solche und ähnliche Fragen bringen alle miteinander in ein Gespräch, das von echtem Interesse am Anderen geleitet ist. Ein lebendiger Austausch untereinander, das ist die beste Voraussetzung für die gemeinsame Reise übers Meer.


Das Schiff auf Kurs bringen - alle packen mit an

Die Fahrgebiete der traditionellen niederländischen Zweimastklipper sind das Ijsselmeer und die Waddenzee mit den vorgelagerten friesischen Inseln. Alle beteiligen sich in diesem teilweise anspruchsvollen Segelgebiet an der Schiffsführung. Für jede und jeden gibt es Aufgaben. Auch wenn die körperliche Belastbarkeit bei einigen eingeschränkt ist, weiß ein gutes Team die Fähigkeiten einer/eines jeden zu schätzen. Das Segeln bietet dabei eine gute Gelegenheit, körperlichen Grenzen auszuloten, zu erfahren, welche Möglichkeiten bestehen und erweiterbar sind und welche Grenzen respektiert und dann auch gegenüber den anderen vertreten werden müssen. Es ist möglich sich zu fordern, ohne sich zu überfordern. Dabei wächst an Bord das Zutrauen in die eigene Gestaltungskraft. Musste man aufgrund der Erkrankung zurückschalten, wird dem nun eine andere Erfahrung gegenüber gestellt: Die Erfahrung neu in Bewegung zu kommen, sich wieder etwas oder mehr als bisher zuzutrauen.


Krebs muss nicht nur behandelt werden - Krebs muss auch bewältigt werden

Schon bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der ersten Stunde, der Crew der "Auwe Neel" vor inzwischen acht Jahren, stand eine wichtige Erkenntnis am Anfang des Unternehmens: Die Erkenntnis, dass Krebs nicht nur behandelt werden muss, sondern, dass auch eine Zeit kommt, sich vertieft mit der persönlichen Verarbeitung der Ereignisse zu beschäftigen. Und dass diese Verarbeitung nicht darauf abzielt, die Krankheit zu verdrängen, sondern nach Möglichkeit sie zu integrieren in ein "verändertes Leben mit Krebs" bzw. in ein "verändertes Leben nach Krebs". Nicht, dass das leicht wäre. Und immer wieder kommt man nur zu einem vorläufigen Ergebnis, mit dem man dann wieder auf einer nächsten Verarbeitungsstufe weiter umgehen muss. Und so machen viele auch bei der Krebsbewältigung ganz seemännische Erfahrungen. Denn, so wie der Kurs des Schiffes von den Gezeiten, dem Wind und den Strömungsverhältnissen abhängig ist, so ist es auch mit der Krankheitsverarbeitung: Manchmal gibt es achterlichen Wind (Rückenwind) und manchmal sitzt man im Nebel fest. So erging es z.B. der Crew der "Kiekendief". In der Waddensee mussten wir vor Anker gehen, weil dichter Nebel kein weiteres Navigieren zuließ. Bis zum Mittag des folgenden Tages war die Welt ganz klein.


Krankheitsbewältigung ist wie eine Wetterkarte - selten stabil

Gut zu wissen, dass man mit dieser Aufgabe nicht allein ist. Dass einem die anderen Crewmitglieder mit ihrer Lebenserfahrung und ihren Konzepten zur Seite stehen. Das zeigte sich auch in den Auswertungsbögen der vergangenen Jahre. Die Aussage, von den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern und deren Umgang mit der Krebserkrankung gelernt zu haben, wurde mit einem hohen Wert ausgezeichnet (im Schnitt über 6 von max. 7 möglichen Punkten). Es fällt auf, wie sehr alle unter den günstigen Bedingungen an Bord von einander profitieren. Nicht nur zu den Zeiten, in denen man sich mit der Thematik bewusst auseinandersetzt, sondern ebenso in den vielen "Zwischen-Durch-Gesprächen", sei es in der Kombüse bei der Essenszubereitung oder auf dem Vorschiff an Deck, zwischen Himmel und Meer.


Spiritualität - Die Segel in den unendlichen Wind stellen

Manche Lebensfrage stellt sich ausgelöst durch die Krebserkrankung anders oder sogar völlig neu. Die Interviews, welche die Leiter vorab mit den Interessentinnen und Interessenten führen, belegen das. Dabei treten auch religiöse Fragen in den Vordergrund. Viele suchen nach einer geistlichen Rückbindung für ihr verändertes Leben. Meerwind bezieht die spirituelle Dimension als eine Ressource des heilsamen Umgangs mit der Krebserkrankung ausdrücklich mit ein. So gibt es an manchen Tagen an Bord einen entsprechenden Impuls, ein Gedicht oder ein Bild, mit dem sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine Zeit lang allein oder in Gruppen beschäftigen.


Das Thema Krebs - an Bord, aber nicht in jeder Schiffsplanke

Dennoch steht die Erkrankung nicht allgegenwärtig im Vordergrund. Die eindrücklichen Naturerfahrungen bewahren die Teilnehmer vor dem ängstlichen Kreisen um sich selbst. Und so ist es möglich, Sonne, Wind und Meer zu genießen oder sich ganz in die Arbeiten an Bord zu vertiefen. Mit vollen Segeln brachte uns die "Eensgesindtheid" vor Texel direkt in die Nähe einiger Sandbänke, auf denen eine Seehundkolonie lagerte. Tage zuvor waren wir in der Waddenzee mit der Ebbe "trockengefallen". Hier wird das Plattbodenschiff mit dem rückläufigen Wasser vorsätzlich auf Grund gesetzt. Am frühen Morgen kletterten wir aus dem Schiff und machten mitten in der Waddenzee einen Spaziergang zur nächsten Sandbank. Mit der kommenden Flut wurden dann wieder die Segel gesetzt. So läuft man auf Grund und setzt seine Reise doch wieder fort. Wieder mit der Nase im Wind und dem guten Lebensgefühl die Natur und sich selbst zu spüren. Und in dem Wissen, dass das Leben immer wieder etwas Aufregendes und Neues für einen bereithält, mit der Hoffnung an jeder Herausforderung auch persönlich zu wachsen.


Das Projekt Meerwind eV

Am 28. November 2007 war die Gründungsversammlung des "Meerwind eV". Am 6. März 2008 wurde der Verein unter der Nummer VR 2471 in das Vereinsregister des Amtsgerichts Mönchengladbach eingetragen. Die Anerkennung der Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt Mönchengladbach-Mitte erfolgte am 20. März 2008. Der Zweck des Vereins ist die Durchführung der jährlichen Segelmaßnahmen für Krebsbetroffene. Eine solche Arbeit ist nur mit der Unterstützung vieler Freunde, Förderer und Multiplikatoren möglich. Viele fördern Meerwind schon seit Jahren. Wer mehr erfahren oder den Verein unterstützen möchte wendet sich an Hartmut Magon, "Meerwind eV", Klarastr. 1-3, in 45239 Essen oder sendet eine Nachricht an info@meerwind-ev.de. Allen die bisher durch ihr Engagement Meerwind möglich gemacht haben sei im Namen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich gedankt.

Ihr Hartmut Magon